paul brinkmannneuroarchitecture / research

Prägt die Stadt, wie unser Gehirn mit Stress umgeht?

In der Stadt zu leben und in ihr aufzuwachsen hinterlässt unterschiedliche Spuren in der Reaktion des Gehirns auf sozialen Stress.

Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in Städten. Städte bieten Chancen, doch das Leben in der Stadt wird auch mit einem höheren Risiko für Angst- und affektive Störungen in Verbindung gebracht. Wo im Gehirn könnte dieser Zusammenhang beginnen?

Die Untersuchung

Forschende in Mannheim untersuchten mit funktioneller MRT, wie gesunde Freiwillige Aufgaben unter sozialem Stress lösten. Sie verglichen Menschen, die in Großstädten, Kleinstädten und auf dem Land leben, und Menschen, die mehr oder weniger städtisch aufgewachsen sind. Die Hauptergebnisse wurden in weiteren Experimenten mit einer anderen Stressaufgabe und einer neuen Gruppe bestätigt.

Die Ergebnisse

Das heutige Leben in der Stadt war mit stärkerer Aktivität der Amygdala verbunden, einer Region für Bedrohung und Emotion. Sie war bei Menschen vom Land am niedrigsten, in der Kleinstadt höher und in der Großstadt am höchsten. Das Aufwachsen in der Stadt war mit der Aktivität des perigenualen anterioren cingulären Cortex verbunden, einer Region, die die Amygdala und Stress mitreguliert. Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen.

Die Bedeutung für die Architektur

Wenn städtische Umgebungen prägen, wie wir sozialen Stress verarbeiten, dann werden Dichte, Lärm, Rückzugsorte und öffentliche Räume, die ruhige Begegnungen ermöglichen, ebenso zu Fragen der seelischen Gesundheit wie der Gestaltung.

Fazit

Die Stadt umgibt uns nicht nur. Sie prägt möglicherweise auch, wie unser Gehirn auf Stress reagiert.

Lederbogen et al. (2011)

City living and urban upbringing affect neural social stress processing in humans. Nature, 474(7352), 498-501.

original research / doi