studienzusammenfassung / 011
Kann Naturkunst kurzfristige Gehirnreaktionen beeinflussen?
Eine Studie in virtuellen Räumen untersucht EEG, Blutdruck und wahrgenommene Erholsamkeit nach kurzer Betrachtung.
Ein Naturbild ist nicht derselbe Reiz wie ein Garten. Chen und Kollegen testeten ein Naturkunstwerk neben anderen Innenraumszenen.
Die Studie
30 Personen wurden rekrutiert, 23 ausgewertet. An getrennten Tagen sahen sie nach Stress und Ermüdung fünf einminütige Varianten desselben möblierten virtuellen Büros: einen leeren Vordergrund, einen Fensterausblick auf Architektur, Naturkunst, einen natürlichen Fensterausblick und eine Pflanzenwand. Die Reihenfolge war ausbalanciert.
Die Ergebnisse
Im Vergleich zum leeren Vordergrund und Fensterausblick auf Architektur war Naturkunst mit niedrigerem systolischem Blutdruck, höherer wahrgenommener Erholsamkeit und stärkerer Alpha-Leistung in frontalen, zentralen und parietalen EEG-Regionen verbunden. Herzfrequenz und diastolischer Blutdruck unterschieden sich nicht signifikant. Nicht signifikante Vergleiche mit Naturausblick und Pflanzenwand belegen keine Gleichwertigkeit.
Einordnung für die Architektur
Naturbilder verdienen Forschung dort, wo direkter Außenkontakt begrenzt ist. Die Studie zeigt nicht, dass Bilder den Zugang zur Natur ersetzen.
Grenzen und Fazit
Die Stichprobe war klein, die Betrachtung dauerte eine Minute und nur ein Kunstwerk wurde getestet. Mehrfachvergleiche und Laborbedingungen begrenzen die Übertragbarkeit. EEG-Unterschiede beweisen weder neue Synapsen noch dauerhafte Plastizität oder klinische Verbesserungen.
originalstudie
Chen et al. (2025)
Restorative effects and perception of nature-themed artworks in indoor environments: an empirical study based on VR+EEG. Frontiers in Psychology 16, 1571176